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eCl@ss

eCl@ss ist ein monohierarchisches und ISO-konformes System zur Gruppierung von Materialien, Produkten und Dienstleistungen nach einer logischen Struktur.

Definition: Was bedeutet ecl@ss?

eCl@ss ist ein System zur Klassifizierung und Produktbeschreibung im B2B-Handel. Das wichtigste Strukturelement in eCl@ss ist die Klassifikationsklasse, wodurch Produkte in bestimmte Kategorien ähnlicher Produkte - die Produktgruppen - unterteilt werden. eCl@ss ist ein monohierarchisches Klassifizierungssystem, das heißt, dass jede Produktgruppe nur einmal in der hierarchischen Baumstruktur vertreten ist. Jede Klassifizierungsklasse hat eine eindeutige Kennung (IRDI), einen bevorzugten und einen codierten Namen, der die Klassifizierungsstruktur darstellt. Unternehmen, die eCl@ss nutzen wollen, müssen dazu eine Lizenz erwerben. Diese wird vom eCl@ss e.V. ausgegeben.[1]

Klassifizierung: Wie funktioniert eCl@ss?

eCl@ss besteht aus einer vierstufigen Hierarchie von Klassifizierungsklassen: von einer allgemeinen bis hin zur spezifischen Ebene. Von oben nach unten sind diese hierarchischen Ebenen:[2]

  • Sachgebiet (Ebene 1)
  • Hauptgruppe (Ebene 2)
  • Gruppe (Ebene 3)
  • Untergruppe (Ebene 4)

eCl@ss enthält rund 42.200 Klassen, 18.800 Merkmale und über 57.400 Schlagwörter.

Sachgebiet

Ein Sachgebiet ist die allgemeinste Kategorisierung und repräsentiert eine bestimmte Branche oder einen bestimmten Markt. Das aktuelle Release 10.1 umfasst 38 Sachgebiete.

Hauptgruppe und Gruppe

Hauptgruppen auf der zweiten Ebene und Gruppen auf der dritten Ebene teilen Produktklassen in spezifischere Untergruppen ein.

Untergruppe

Untergruppen auf der vierten Ebene stellen eine Ware oder eine Produktklasse dar, d.h. eine Gruppe ähnlicher Produkte. Sie werden weiter anhand von Produkteigenschaften und Eigenschaftswerten beschrieben. Jede Untergruppe hat eine 1:1-Beziehung zu einer Anwendungsklasse, die diese Eigenschaften enthält.

Klassencodes: Was ist eine eCl@ss Nummer?

Eine eCl@ss Nummer ordnet ein bestimmtes Produkt nach den oben genannten Kriterien in Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe ein. Sie ist ein 8-stelliger Klassencode (in eCl@ss: CodedName) und besteht aus zwei Ziffern für jede der vier Hierarchieebenen. Der Klassencode ist eine beliebige Zahl und gibt an, wo im Klassifikationsbaum eine Produktklasse zu finden ist. Als Beispiel erhält ein Schlitzschraubendreher den Code 21-04-04-07, wobei die 21 für “Betriebsausstattung, Werkstatteinrichtung, Werkzeug" steht, 21-04 für "Handwerkzeug", 21-04-04 für “Schraubendreher, -einsatz” und 21-04-04-07 schlussendlich für das Produkt “Schlitzschraubendreher”. Ein Kreuzschlitzschraubendreher hat beispielsweise den Code 21-04-04-06. Zusätzlich enthält jeder Code Definitionen, Keywords und Produkteigenschaften.[3]

Eine eCl@ss-Nummer-Übersicht ist online einsehbar. Jede eCl@ss-Klassifizierung sowie jeder eCl@ss-Code lässt sich hier im Detail recherchieren. Allgemeine und vertiefte Informationen zur Funktionsweise lassen sich über das eCl@ss-Wiki aufrufen.

Vor- und Nachteile von eCl@ss

Vorteile von eCl@ss

Ein großer Vorteil der eCl@ss-Klassifizierung ist die Neutralität an klassifizierten Branchen: Von Schraubenziehern bis hin zu Flugzeugmotoren lässt sich fast alles durch eCl@ss klassifizieren und beschreiben. So können (Produkt-)Informationen branchenübergreifend normiert werden.

Zusätzlich zu der vergleichsweise hohen Anzahl an Klassen, die eCl@ss gegenüber anderen Klassifizierungssystemen hat, haben unabhängige und weit verbreitete Klassifizierungsstandards im Allgemeinen signifikante wirtschaftliche Vorteile. So ermöglicht die normierte Klassifizierung von Produkten mit eCl@ss eine Reduzierung der Beschaffungskosten und eine Steigerung der Effizienz in der Warenwirtschaft, dem Einkauf und im Datenmanagement. Die Nutzung eines einzigen Standards im deutschen und europäischen Raum erwirkt durch die Vereinfachung diverser Prozesse Kostenvorteile in Beschaffung und Controlling. Darüber hinaus erleichtert eCl@ss die Optimierung von Lagerbeständen. Durch die verbesserte Kommunikation zwischen Händlern und Käufern entstehen außerdem weniger Fehlkäufe. Deshalb wird gerade im Engineering eine internationale Strategie zur Vereinheitlichung durch Klassifikationssysteme wie eCl@ss oder UNSPSC verfolgt.

Nachteile von eCl@ss

Ein wesentlicher Nachteil von eCl@ss ist seine Begrenzung auf den deutschen, teilweise auf den europäischen Raum. Im internationalen Vergleich kann sich eCl@ss bisher nur vereinzelt als Standard etablieren, andere Systeme wie UNSPSC kommen weitaus häufiger zur Anwendung. Vor allem international agierende Unternehmen stoßen daher mit eCl@ss schnell an ihre Grenzen. Durch die ISO-Konformität der neueren Releases besteht aber mittlerweile auch international eine wachsende Zahl von Unternehmen, die eCl@ss nutzen.

Übersicht: Produktklassifikationssysteme

eCl@ss

eCl@ss ist ein Produktklassifizierungsstandard für Produkte und Dienstleistungen verschiedener Branchen. Er gehört zu den umfangreichsten Klassifikationssystemen und ist ISO-konform.[4]

Proficl@ss

Proficl@ss ist ein Klassifizierungssystem für Produkte verschiedener Branchen mit dem Ziel, E-Commerce mit diesen Produkten über Branchengrenzen hinweg zu ermöglichen. Proficl@ss kommt in der Bauindustrie sowie dem Bau- und Industriebedarf zur Anwendung.

ETIM

ETIM (Elektro-technisches Informationsmodell) bietet einen offenen Standard für die eindeutige Gruppierung und Spezifikation von Produkten im Installationsbereich durch ein einheitliches Produktklassifikationsmodell.

UNSPSC

UNSPC (United Nations Standard Products and Services Code) ist ein Klassifikationsstandard, der von der UN entwickelt wurde. Er kommt international, auch in länderübergreifendem Handel, sehr häufig zur Anwendung. Ähnlich wie eCl@ss überspannt auch der UNSPSC eine Vielzahl von Branchen.

Arten von Katalogdaten

Klassifikationssysteme wie eCl@ss finden häufig Anwendung in Katalogsystemen, die dem standardisierten Austausch von (Produkt-)Daten im B2B-Bereich dienen.[5][6]

CSV - Kataloge

Kataloge im CSV-Format, also Excel-Dateien, sind eine herkömmliche Methode zur Verwaltung von Produkten und Produktkomponenten. Der eCl@ss-Standard lässt sich ebenfalls in Form einer CSV-Datei anwenden, wodurch die Kompatibilität für Unternehmen, die mit CSV-Katalogen arbeiten, gegeben ist.

BMEcat

BMEcat ist ein in Deutschland vorherrschendes Format zum Austausch von Katalogdaten im B2B-Bereich. BMEcat bietet die Möglichkeit zur Anbindung diverser Klassifikationssysteme, worunter auch eCl@ss, profiCl@ss, ETIM oder UNSPSC fallen.

xCBL

Als XML-Dokumentenstandard wird xCBL hauptsächlich in B2B-Beschaffungstools für Einkäufer, Bestell- und Rechnungsverwaltungstools für Lieferanten und Dokumenten-Routing-Tools für öffentliche und private Marktplätze verwendet. Auch hier wird eCl@ss als Anbindung zur Normierung von Produktdaten angewandt.

cXML

cXML dient hauptsächlich der katalogisierten Beschaffung, ebenfalls im B2B-Bereich. cXML ermöglicht die Einbindung von standardisierten Produktklassifzierungsmechanismen wie eCl@ss, profiCl@ss oder UNSPSC.  

CIF

Auch CIF (Catalog Interchange File) ist ein Format zum Austausch von Katalogdaten. CIF basiert auf dem CSV-Dateiformat (siehe 6.1). Wie die Mehrheit dieser Formate bietet auch CIF die Möglichkeit, eine Klassifikation über standardisierte Systeme wie eCl@ss vorzunehmen.

eCX

Electronic Catalog XML (eCX) ist eine Datentypdefinition (DTD) , die eine Methode für die elektronische Kataloginteroperabilität bereitstellt. eCl@ss ist XML-kompatibel und daher in Verbindung mit eCX anwendbar.

ONIX

ONIX ist ein Format zum Austausch von bibliographischen Produktdaten. Es wird im Buchhandel angewandt.

Einzelnachweise

[1] Hepp, M., Leukel, J., & Schmitz, V. (2005). A quantitative analysis of eClass, UNSPSC, eOTD, and RNTD: Content, coverage, and maintenance (pp. 572-581). IEEE.

[2] https://www.eclass.eu/static/documents/wiki/eclass_best_practice_DE.pdf

[3] http://www.eclasscontent.com/

[4] http://www.ebusiness-unibw.org/ontologies/pcs2owl/

[5] Leukel, J., Schmitz, V., & Dorloff, F. D. (2002). Modeling and exchange of product classification systems using XML. In Advanced Issues of E-Commerce and Web-Based Information Systems, 2002.(WECWIS 2002). Proceedings. Fourth IEEE International Workshop on (pp. 242-244). IEEE.

[6] http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/prozeus_materialien/prozeus_glossar_eb_standards_2007.pdf

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