background

Punch-out

Über eine Punch-out-Schnittstelle kann über das unternehmenseigene Procurement-System auf die Website des Lieferanten zugegriffen werden. Erzeugte Warenkörbe (Bestellanforderungen) lassen sich so leicht wieder in das Kundensystem übertragen.

Definition: Was ist ein Punch-out-Katalog?

Punch-out ist eine B2B-Anwendung, die es einem Käufer ermöglicht, über die eigene Procurement Application (Beschaffungssoftware) auf die Website eines Lieferanten zuzugreifen. Der Käufer verlässt die eigene E-Procurement-Anwendung und gibt den webbasierten Katalog des Lieferanten im Browser ein. Dies startet die Website des Anbieters innerhalb des Browsers des Käufers. Der Käufer durchsucht den webbasierten Punch-out-Katalog des Lieferanten und fügt Artikel in den Einkaufswagen ein, während beide Anwendungen ihre Verbindungen beibehalten. Wenn der Benutzer die Punch-out-Site des Lieferanten verlässt, werden keine Bestellungen an den Lieferanten gesendet. Stattdessen wird der Einkaufswagen mit den ausgewählten Artikeln zurück in die E-Procurement-Anwendung gebracht.

Vorteile des Punch-out-Katalogs gegenüber dem CIF-Katalog

Was ist ein CIF-Katalog?

Vor dem Aufkommen von Punch-out nutzten Lieferanten den CIF-Katalogstandard zum elektronischen Austausch von Katalogdaten. CIF steht für Catalog Interchange Format und wurde 1996 durch Ariba entwickelt. Es ist ein elektronisches Dateiformat, das von den Lieferanten als Standard verwendet wurde, um produktbezogene Informationen an ihre Kunden zu übertragen. Punch-out bietet im Vergleich zu CIF-Katalogen einige erleichternde und verbessernde Funktionsweisen.

Kleine Änderungen, etwa das Hinzufügen eines neuen Produkts, sind im CIF-Katalog zeitraubend; die Funktionalität von Punch-out erlaubt das ohne großen Aufwand in Echtzeit. Unter CIF müssen Lieferanten bei Produktänderungen den gesamten Katalog erneut veröffentlichen -  das ist zeitraubend und ineffizient.

Bei Fluktuation in Katalogartikeln entsteht bei der Arbeit mit CIF-Katalogen ein immenser Zeit- und Kommunikationsaufwand. Dieser Katalog ist ein statisches Produkt, das keine Echtzeitkommunikation zwischen dem Standort des Lieferanten und der Beschaffungsanwendung des Kunden ermöglicht. Der CIF-Katalog hat zudem ein Zeilendatenformat, das nicht zur Darstellung der Produktkonfiguration verwendet werden kann. Mit steigender Sortimentsbreite und Artikelanzahl steigt durch den oben genannten Aufwand auch die Ineffizienz dieser Softwarelösung im Vergleich mit anderen Lösungen. Lieferanten, die einen kleinen Katalog haben, nur einfache Produkte anbieten und ihren Kataloginhalt nicht häufig ändern, können den CIF-Katalog hingegen verwenden.

Vorteile des Punch-out-Katalogs

Punch-out Kataloge vereinfachen den Einkaufsprozess für Kunden, die Bestellgenauigkeit steigt. Mit dieser Funktion können Kunden Produkte von ihren Lieferanten beziehen, ohne das Procurement-System zu verlassen. Ein Klick auf das Punch-out-Symbol führt direkt zur Website des Anbieters. Nach dem Hinzufügen von Produkten zum Einkaufswagen per Mausklick wird der Käufer zum Beschaffungssystem zurückgeleitet.

Die User Experience eines Punch-out-Katalogs lässt sich anhand der Anforderungen der Endbenutzer optimieren. Kunden erhalten Zugriff auf einen Katalog, der speziell an ihre Vertragsvereinbarungen angepasst wurde. Die Anzahl der zu integrierenden Kategorien, Versandarten und Bestellmethoden ist ebenfalls anpassbar. Im Gegensatz zu einem CIF-Katalog können in einem solchen Katalog auch Bilder und Produktbeschreibungen hinzugefügt werden.

Da Punch-out-Kataloge von Lieferanten gepflegt werden und online verfügbar sind, können Käufer bessere Informationen über Artikel wie Verfügbarkeit, aktuelle Rabatte und die damit verbundenen Versandkosten finden. Die Aktualisierung dieser Informationen geschieht in Echtzeit.

Da durch Punch-out alle Kataloge in einer Anwendung zentralisiert sind, wird zudem die Einkaufskonsolidierung und ein besseres Ausgabenmanagement gefördert.

Vorteile von cXML

Das Punch-out-Protokoll findet über Formate und EDI-Schnittstellen wie cXML oder SAP OCI Punch-out (Open Catalog Interface) statt. Ein wesentlicher Vorteil von cXML ist hier die einfache, automatisierte Integration von Bestellungen, Fulfillment-Updates und Katalogänderungen sowie seine Unterstützung des Remote-Shoppings. Durch die automatisierte Natur von Punch-out-Katalogen entstehen weitaus weniger Fehler im Bestellvorgang, und durch den verringerten Kommunikationsaufwand können die Kosten des Bestellprozesses reduziert werden.

Wie funktioniert die Punch-out-Integration?

Eine Punch-out-Integration erfordert technisches Know-how, besonders im Bereich der XML- und cXML-Programmierung, die in vielen Unternehmen fehlt.[1] [2] Daher wird die Punch-out-Integration oft ausgelagert. Für eine Ariba-Punch-out-Schnittstelle oder eine SAP-OCI-Schnittstelle wird das Outsourcing an spezialisierte Firmen vom Softwarehersteller selbst angeraten.

Vor allem eine Anbindung von Punch-out in bestehenden Websites ist zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Eine Ausnahme sind hier die heutzutage viel genutzten Fertiglösungen für Shops wie Magento, WooCommerce oder Shopify. In diesen Fällen besteht zum Teil sogar die Möglichkeit zur Integration per Knopfdruck.

Prozessablauf der Kataloganbindung

Nach der technischen Bereitstellung einer Schnittstelle folgt die Kataloganbindung. Der folgende Prozessablauf beschreibt eine Lieferantenintegration unter Ariba Punch-out.

  • Ein Punch-out-Setup-Anforderungsdokument wird mit einem HTTP-Post von der Einkaufsorganisation an Ariba CSN gesendet, die das Dokument authentifiziert und über einen HTTP-Post an die in der Anforderung angegebene Lieferanten-URL weiterleitet.
  • Eine Authentifizierung durch den Hersteller (Ariba) findet statt.
  • Das Punch-out-Setup-Antwortdokument wird über cXML an Ariba CSN übertragen und bestätigt, dass die Anforderung erfolgreich empfangen wurde.

Standards

Punch-out agiert unter den Standards cXML (Commerce eXtensible Markup Language), XML oder dem OCI-Standard (Open Catalog Interface).[3]

Praxisbeispiel eines Beschaffungsprozesses über einen Punch-out-Katalog

Das folgende Beispiel beschreibt den Beschaffungsprozess via Punch-out SAP über XML oder cXML Punch-out. Weitere detaillierte Beispiele zur Punch-out-Anbindung via OCI-Schnittstelle sind der entsprechenden Dokumentation zu entnehmen.[4][5] Dort finden sich auch weitere detaillierte Informationen zu OCI-Punch-out im Allgemeinen sowie SAP OCI Parameter und Informationen zu SAP OCI Customizing

  • Der Käufer klickt auf einen Punch-out-Link im Punch-out-Katalog und gelangt auf den Shop des Lieferanten. 
  • Die Identität des Käufers wird authentifiziert. Eventuelle Vertragsdaten oder gesonderte Lieferbedingungen werden aufgerufen und Angebote nach eben diesen spezifiziert. Der Austausch dieser Informationen geschieht in Form von cXML- oder XML-Dokumenten, die generiert und zwischen den Parteien versendet werden. Procurement Systems wie SAP Ariba erledigen dies vollautomatisch.
  • Der Käufer gelangt auf die Website des Lieferanten, um Artikel in seinen Warenkorb zu legen und den Einkauf abzuschließen.
  • Nach Abschluss des Einkaufs wird der Warenkorb über ein XML-oder cXML-Dokument (Purchase Order) rückübermittelt, und die Artikel werden einer Bestellung hinzugefügt.

Einzelnachweise

[1]http://www.parkerhannifin.be/parkerimages/Distributor%20Portal/Ariba%20PunchoutImplementation.pdf

[2] https://www.mercateo.com/support/wp-content/uploads/2014/04/Technische-Informationen-zu-OCI-Version-2_1-1.pdf

[3] http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/broschueren/pro_brochure_katalogaustausch.pdf

[4] https://wiki.scn.sap.com/wiki/download/attachments/395284636/OCI_50_EN20130121.pdf?version=1&modificationDate=1414013853000&api=v2

[5] https://docs.oracle.com/cd/B15436_02/current/acrobat/icx115punchsup.pdf

Durch die weitere Nutzung unserer Seite, erklärst Du Dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzbestimmung.
OK