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UNSPSC

Der United Nations Standard Products and Services Code (UNSPSC) ist ein globaler Standard zur Klassifikation von Produkten und Dienstleistungen.[1]

Definition: Was ist UNSPSC?

Das von den Vereinten Nationen initiierte UNSPSC (United Nations Standard Protocol and Services Classification) Protokoll bezeichnet einen überwiegend in den Vereinigten Staaten von Amerika weit verbreiteten Klassifizierungsstandard für Waren und Dienstleistungen. Zur Kategorisierung stehen mehr als 8.000 Kategorien zur Verfügung. Die den Klassen zugeordneten Artikel können anhand eines mehrstelligen Codes global einheitlich identifiziert werden.[2]

Einordnung UNSPSC unter Katalogdatenmanagement/ E-Procurement

Produktcodes werden genutzt, um Waren und Dienstleistungen zu klassifizieren. UN Procurement Officers wählen einen UNSPSC-Code oder mehrere Codes, um anzuzeigen, welches Erzeugnis oder welche Dienstleistung Ihre Behörde akquirieren müssen. Alternativ werden die Codes zur Suche eines potenziellen Lieferanten für ein bestimmtes Produkt genutzt. Dieser muss bei einer oder mehreren bei der UNGM (United Nations Global Marketplace) registrierten UN-Behörden erfasst sein und von dieser/diesen akzeptiert werden. Daher ist eine möglichst akkurate Wahl eines UNSPSC-Codes zur Beschreibung von Waren und/oder Dienstleistungen von äußerster Wichtigkeit.[3]

Zusammenhang mit Produktklassifikationssystemen

Es gibt eine Reihe von Produktklassifikationssystemen auf dem Markt. Hierzu zählen neben UNSPSC unter anderem eCl@ss, proficl@ss und ETIM. UNSPSC nimmt eine Sonderstellung ein, da dieses Protokoll den ersten Versuch der internationalen Elektronischen Industrie darstellt, einen globalen Klassifikationsstandard zu etablieren. Der Hersteller der Datenanalysesoftware IDEA (Interactive Data Extraction and Analysis) CaseWare IDEA Inc. vereinbarte im Jahr 2004 mit der US-Abteilung des Handelswarenartikelnummer-Vergabesystems GS1, ein globales Standard-Klassifikationssystem zu entwickeln. Ergebnis: UNSPSC. GS1 fungiert als Code-Manager für UNSPSC.[4]

Unterschiede eCl@ss und UNSPSC

Sowohl UNSPSC als auch eCl@ss sind branchenübergreifende Standards. Während UNSPSC weltweit verbreitet ist, beschränkt sich die Bedeutung von eCl@ss auf Deutschland und Teile der EU.[5] eCl@ss unterscheidet sich unter anderem durch folgende Merkmale von UNSPSC:

  • Die 22 Sachgebiete und deren Untergruppen sind kürzer und zielen stärker auf intuitiven Gebrauch ab.
  • Ein gruppenbezogener Schlagwortkatalog ermöglicht das Ansteuern relevanter Gruppen über Synonyme.
  • Gruppenbezogene Merkmalleisten für zahlreiche Untergruppen bestimmen die Charakteristiken.
  • Durchgängige Mehrsprachigkeit ist gegeben.[6]

Wie funktioniert UNSPSC?

UNSPSC ist hierarchisch aufgebaut und weist fünf Stufen der Klassifikation auf. Elektronische Geschäftsprozesse fokussieren sich auf die ersten vier Ebenen, die fünfte ist eher Dienstleistungen als Produkten vorbehalten.[7] Die Ebenen sind:

  • Segment: entspricht der logischen Aggregation von Produktfamilien zu Zwecken der Analyse
  • Familie: eine gemeinhin anerkannte Gruppe in Beziehung stehender Warenkategorien
  • Klasse: eine Warengruppe, die gemeinsame Merkmale teilt
  • Waren: eine Gruppe austauschbarer Produkte oder Dienstleistungen[8]

Die fünfte Stufe der Geschäftsfunktion kann als unternehmensspezifische Ebene beigefügt werden, etwa um zusätzliche Dienstleistungen des Produktherstellers darzustellen (z. B. Wartung, Leasing etc.).[9]

Diese Ebenen erlauben eine Analyse der Ausgaben, wobei jede Ebene eine eigene einzigartige Nummer erhält. Sie stellt die Produktklassifikation dar und wird in einem achtstelligen Nummerncode abgebildet.[10] Diese Nummern zeigen den Standort in der Hierarchie an. Das Hinzufügen zweier weiterer Suffix-Ziffern zeigt die Geschäftsfunktion (Business Function) an.[11] Wird der UNSPSC in unterschiedliche elektronische Handelsdokumente und -medien (z.B. Produktkataloge, Webseiten, Kaufbestellungen etc.) innerhalb der Versorgungskette eingefügt, können Verkäufer, Käufer, Akquisitionsspezialisten und andere Nutzer Untersuchungen anstellen und zeiteffiziente Entscheidungen treffen.[12]

Vorteile von UNSPSC

E-Business beschleunigt Prozesse bei niedrigeren Kosten. Dies macht es notwendig, Procurement strategisch anzugehen. Schnelle, einfache und akkurate Klassifikation von Waren und Dienstleistungen ist dadurch unabdingbar für den Markt.[13] UNSPSC als einheitliche Kodierungskonvention hat vor diesem Hintergrund den Vorteil, dass alle Unternehmen einen einheitlichen Standard nutzen können. So wird sichergestellt, dass die gleichen Mittel verwendet werden, um den Prozess beschleunigen und rationalisieren zu können.[14]

Weiterer Vorteil: UNSPSC ist ein offener Standard, der allen Interessierten kostenlos zur Verfügung steht. Dies ermutigt Unternehmen und Organisationen weltweit, den Code in ihre Geschäftssysteme einzugliedern. Alle an der Versorgungskette beteiligten Parteien können in den folgenden Bereichen von der Integration dieses Standards zur Klassifikation in ihre Managementsysteme profitieren:

  • Procurement: Die Höhe der Ausgaben und der Anlass werden konstant geprüft. Diese Informationen stehen jederzeit zur Analyse der Spezifika im Erwerbsprozess bereit. Der weltweit gültige Artikelcode erleichtert und beschleunigt die Suche und ermöglicht das Erkennen von Mustern im Ankauf. UNSPSC kann dazu beitragen, bessere Konditionen zu erhalten. Das wiederum führt zu Kosteneinsparungen für den Abnehmer.[15]

  • Marketing: Felddaten können rasch für Marktanalysen, Produktentwicklung und Verkaufsanalysen erworben werden. Durch Nutzung dieser Daten lässt sich die Kundenzufriedenheit steigern.[16]

  • Verkauf: Verkaufs- und Vertriebskanäle lassen sich vom Ladenregal bis zum Endnutzer verfolgen. Marktwissen und akkurate Verkaufsanalysen können auf diese Weise rasch anhand elektronischer Verkaufsplattformen generiert werden. Die Reichweite der eigenen Produkte kann weltweit mittels suchmaschinenunterstützten E-Katalogen gesteigert werden.[17]

Nachteile von UNSPSC

Zwar ist UNSPSC ein offener kostenloser Standard, die mit der Verwendung einhergehenden Dienstleistungen (z.B. Zertifizierung der adäquaten Nutzung, Einbringung, respektive Ausführung von Normierungswünschen etc.) werden allerdings partiell berechnet oder bedürfen einer kostenpflichtigen Vereinsmitgliedschaft.[18]

Als weiterer Nachteil wird der Mangel an Charakteristika, Entitäten und Synonymen zur Produktbeschreibung angesehen. Zudem wird bemängelt, dass sich die Struktur nicht ausreichend an den Bedarfen der Lieferanten und Einkäufer orientiert und sie zur vertikalen Nutzung zu flach ist.[19]

UNSPSC: Beispiel

Ein Beispiel für die erfolgreiche Verwendung von UNSPSC findet sich in der US-amerikanischen Gesundheitsindustrie. Hier konnte die Nutzung eine Vielzahl von Vorteilen über die gesamte Versorgungskette generieren. Die Coalition for Healthcare eStandards (CheS) befürwortete die Verwendung von UNSPSC bereits im Jahre 2002. Seitdem verwenden die wichtigsten Einkäufer und Unternehmen diesen Standard und stellen ihn ihren Kunden zur Verfügung. Zu den größten Nutzern auf dem US-Markt zählen Amerinet, Global Healthcare Exchange, MedAssets, Premier Inc. und Novation.[20]

UNSPSC-Format

Folgende Formate sind für UNSPSC vorhanden:

  • IIEP
  • Import Manager

Wenn eine UNSPSC-Klassifikation vorhanden ist, besteht die Möglichkeit, die Identifikation von Produkten bzw. Dienstleistungen zu vereinfachen, durch die Nutzung von Bulk Update. Auf diese Weise kann ein Link-Typ zwischen Produkt und Klassifikation als Referenz hinzugefügt werden. Dies schafft eine Verbindung zwischen Waren/Dienstleistungen und dem UNSPSC-Klassifikationssystem. Die entsprechenden Waren bzw. Dienstleistungen werden dann innerhalb des UNSPSC-Ordners dargestellt.[21]

Einzelnachweise

[1] https://www.unspsc.org/

[2] https://www.orpheus-it.com/de/akademie/glossar/einkaufscontrolling-fachwissen-5/unspsc-definition

[3] https://www.ungm.org/Public/UNSPSC

[4] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[5] Stemmann, Bernd: Die Erfolgswahrscheinlichkeit von Standards für Geschäftsdaten, Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2007, S. 28.

[6] Stemmann, Bernd: Die Erfolgswahrscheinlichkeit von Standards für Geschäftsdaten, Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2007, S. 29.

[7] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[8] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[9] http://wiki.prozeus.de/index.php/UNSPSC

[10] http://wiki.prozeus.de/index.php/UNSPSC

[11] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[12] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[13] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[14] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[15] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[16]https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[17] https://idea4industry.com/news-resources/going-global-with-unspsc-whats-in-it-for-you/

[18] http://wiki.prozeus.de/index.php/UNSPSC

[19]Althaus, Martin / Sareyka, Julian: Entwicklung und Nutzung von Produktklassifikationssystemen aus Sicht des Contentmanagement, in: Dorloff, Frank-Dieter et al. (Hrsg.): E-Business - Standardisierung und Integration: Tagungsband zur Multikonferenz  Wirtschaftsinformatik, Göttingen: Cuvillier Verlag 2004, S. 135 -  S. 156. hier: S. 142.

[20] https://www.businesswire.com/news/home/20060425005782/en/UNSPSC-Product-Classification-Code-Health-Care-Increased

[21] http://ibmtb-app.stibo.com/help/content/data_exchange/data_formats/unspsc_format.html

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